von billigen parfüms und schönheits-op’s.

als ich heute morgen meine wohnung verliess, nahm ich mir auf dem weg zur haltestelle vor, die bevorstehende busfahrt etwas bewusster wahr zu nehmen. normalerweise suche ich mir geistesabwesend einen freien sitzplatz, montiere meine kopfhörer und starre aus dem fenster.

heute nicht.

der bus hielt vor mir an, ich stieg ein und wählte einen platz in der mitte. nicht zu weit vorne, nicht zu weit hinten. perfekt. ich konnte und wollte nicht auf meine kopfhörer verzichten. es sollte ja so aussehen, als würde ich musik hören.
die zwanzigminütige fahrt konnte nun beginnen.

in den ersten paar minuten geschah – genau gar nichts. der fahrer räusperte sich und hustete ein paar mal, eine etwas ältere dame mit augenkrebserregenden rot-violetten haaren zählte ihr kleingeld und der student (er sah zumindest aus wie einer) hinter mir schickte wohl, seinem grinsen nach zu urteilen, gerade anzügliche nachrichten an seine freundin.

zwei haltestellen später stiegen drei mädchen ein. sie setzten sich auf den viererplatz vor mir. meine innere tratschtante rieb sich die hände und hoffte, den neusten klatsch zu hören, während meine innere autorin block und stift zückte und der tratschtante ein schallendes high-five gab. die mädchen waren ungefähr 14 jahre alt. oder 15. vielleicht auch 13. keine ahnung, ich bin nicht so gut im schätzen.
alle 3 sahen einander recht ähnlich. braune, schulterlange haare, enge hosen, enges oberteil, ballerinas, (gott, wie ich diese dinger hasse!) fake-markentaschen, iphones in der hand. sie rochen nach rauch, billig-deodorants und noch billigerem parfüm.

„folg mir mal auf instagram, ey!“, sagte die kleinste von allen zu ihrer freundin. diese murmelte irgendwas und tippte auf dem smartphone herum. dann smalltalk.
nichts spannendes, wirklich. blabla. lästerläster. tratschtratsch.
„ist die noch immer dein vorbild?!“, fragte eines der mädchen und hielt der anderen das iphone vors gesicht.
diese winkte ab und rollte übertrieben mit den augen. (das habe ich jetzt übrigens reflexartig auch gemacht)
„pff, nein! mein vorbild ist jetzt kim kardashian!“, antwortete sie mit einem hauch von stolz.

ich erinnere mich noch, als ich in diesem alter war. in meiner klasse war britney spears für 90% der mädchen das ultimative vorbild, für 5% jennifer lopez, für 4% avril lavigne und für 1%, also für mich, j.k. rowling.
(vielleicht stimmen die prozentangaben jetzt nicht ganz, ich hab’s nicht so mit mathe.)

doch, natürlich fand ich britney und avril auch toll, aber mein vorbild war rowling und ist es noch immer. aber was macht eine person eigentlich zum ‚vorbild‘? ist es das benehmen? (künstlich in die kamera lächeln und winken) sind es die gesangsqualitäten? (musikbearbeitungsprogrammen sei dank) oder ist es das aussehen? (liebe grüsse an alle schönheitschirurgen dieser welt, ihr macht (meistens) einen guten job!) ich wurde früher oft belächelt, als ich sagte, dass rowling mein vorbild sei. aber hey, ich konnte schon damals mehr mit intelligenten und schreibenden frauen anfangen als mit attention-whores und medienpüppchen.

zurück zu den mädels.
mittlerweile sprachen sie von schönheitsoperationen. kein wunder, wenn man kim kardashian als vorbild hat.
„ich will mir meine nase machen lassen“, sagte die eine. ich konnte ihr gesicht leider nicht sehen, da sie mit dem rücken zu mir sass.
„pff, deine nase ist perfekt!“, meinte eine andere.
„ich will mir fett absaugen lassen“
ich war kurz davor, mir mit flacher hand auf die stirn zu schlagen, aber ich musste ja so tun, als würde ich nicht zuhören.
„und ausserdem will ich mir vielleicht die lippen aufspritzen lassen.“

oh. mein. gott.

jetzt schaute auch die dritte von ihrem smartphone hoch.
„ihr spinnt“, sagte sie. HALLELUJA! dachte ich mir. endlich ein normales mädchen! „wenn sich eine von uns unters messer legen muss, dann ich!“
sie zog ihr shirt ein bisschen hoch und klemmte ihren babyspeck am bauch zwischen zwei finger. ich hätte beinahe laut gelacht.

und da war sie, meine haltestelle.
ich stieg aus, lief an einem leeren lokal vorbei und blieb vor dem fenster stehen. ich betrachtete mich in der spiegelnden scheibe, tippte mir auf die nase, fuhr mit dem finger über meine lippen und fragte mich, wie ich operiert und aufgespritzt wohl aussehen würde. den gedanken verwarf ich schnell wieder. ich war einfach nur froh, nicht mehr in der pubertät zu sein, in meiner kindheit keine solche Freundinnen oder kim kardashian als vorbild gehabt zu haben.
(nichts gegen kim, ihr po ist umwerfend (haha, wortspiel))

und hiermit ein fettes dankeschön an die mädels für die unterhaltsame busfahrt. falls wir uns in ein paar jahren nochmals begegnen sollten (und ich euch nach all den vielen operationen noch erkenne), lade ich euch auf einen kaffee ein.

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12 Gedanken zu “von billigen parfüms und schönheits-op’s.

  1. Nette Geschichte, bravourös geschrieben. Ich fahre auch viel mit Bus und Bahn und bekomme so auch Vieles zu hören, aber das zu bloggen – auf den Gedanken bin ich noch nicht gekommen, wahrscheinlich weil mein Vorbild nicht die Rowling ist.

    1. vielen dank :)) ich fahre täglich mit dem bus und zugegeben, die meisten busfahrten sind langweilig. man muss manchmal einfach die ohren spitzen und schon kriegt man ganz tolle dinge zu hören :))

  2. Im Zug und im Bus kriegt man schon einiges lustiges mit. Aber meistens sind mir die Gespräche der anderen zu anstrengend. Vor allem wenn es um „ey Alter“ und „hey wo ist die Bitch“ geht. Dann doch lieber Kopfhörer :)

  3. Ich fahre jeden Tag mit der Bahn in einer Stadt, deren bahnfahrende Bewohner meiner Meinung nach eine Auszeichnung für das lautstarke Zurschaustellen ihrer Erste-Welt-Probleme haben. Seit Monaten habe ich ihren Gesprächen nicht mehr gelauscht. Insofern fand ich deine Geschichte mich dazu gebracht, das mal wieder zu tun. Entertainment und Egopush in einem.
    Danke :)

  4. Schlimm wäre es gewesen, wenn Du ihr Gesicht nicht sehen konntest, weil sie so eine große Nase hat, hahaha!
    Also zu meiner Zeit, da haben wir noch Biene-Maja-Figürchen getauscht oder Sticker für ein Album. Da hielten wir uns nicht gegenseitig ein elektronisches Kästchen vor die Nase „Guck maa! Haste des Video schon gesehen? Voll lustig!“. Zu meiner Zeit, jawohl! Aber ich lebe ja noch, insofern ist es immer meine Zeit.
    Ich hoffe, es gibt nach dem Smartphone noch ein Leben ;-).

  5. So etwas ist für mich Alltag. Sagen wir einfach ich bin in dem Alter und meine „Freundinnen “ haben alle so einen an der Klatsche. Es wird alle fünf Minuten gelästert und über das aussehen geredet. Ich könnte durch drehen! Jedes mal wenn sie wie wieder damit anfangen, muss ich mir das Lachen verkneifen. Toll geschrieben, wäre witzig, wenn das meine Klassenkameraden gewesen wären😂😹✌

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